Wie geht Frieden?

Newsletter vom 01. Dezember 2016

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Ein herzliches Hallo an Alle.

Eigentlich wissen wir, was zu tun ist, um Frieden zu schaffen. Partnerschaftliche Beziehungen weltweit, Kooperation statt Konfrontation, neue Wege der Konfliktlösung, die Gleichstellung von Frau und Mann, kollektives Denken - uns ist klar, wo es lang geht, um vielleicht doch noch den drohenden ökologischen Kollaps oder einen mit Nuklearwaffen geführten weltweiten Krieg abzuwenden. Warum kommt es trotzdem nicht zum großen Wandel?

Ein Spruch, den ich als Kind zu hören bekommen habe und damals leider missverstanden habe, macht für mich heute Sinn:

Auf die Frage "Warum gibt es Krieg?" habe ich die Antwort bekommen: "Das ist im Großen nicht anders als im Kleinen. Du schaffst es ja nicht mal mit deinen Schwestern friedlich auszukommen."

Die Antwort traf mich mitten ins Herz. Ich wollte unbedingt beweisen, dass ich ganz anders bin und sehr wohl dazu fähig bin, friedlich zu sein. Und so nahm ich mir Mutter Teresa und das arme Mädchen aus dem Märchen Sterntaler zum Vorbild, trainierte meine Fähigkeiten andere zu verstehen und zu unterstützen, gab in Konflikten nach und lernte zu verzichten.

Und es klappte auch ganz gut mit dem Frieden, zumindest in meinen eigenen Beziehungen, so dachte ich jedenfalls. Dass mit dieser Strategie niemandem geholfen war und dabei mein eigenes Potential und meine Freude am Leben völlig auf der Strecke blieben, habe ich erst Jahrzehnte später bemerkt.

Was tun? Wieder zu lernen auch meine eigenen Interessen wahrzunehmen war noch relativ einfach. Doch sie auch mit friedlichen Mitteln durchzusetzen stellte sich als äußerst schwierig heraus: Mehr als einmal überkam mich die große Kriegslust. Ich hatte eine enorme Wut auf manche Menschen in meinem Umfeld, die das Spiel so viele Jahre mitgespielt hatten. Wieso haben sie mir das angetan? Und warum sind sie nicht bereit sich zu ändern? Gerne hätte ich einfach alles platt gemacht, was meinen eigenen Interessen im Wege stand.

Meine Bereitschaft mich auch in die Lage der anderen zu versetzen, ist dabei natürlich nicht verloren gegangen. Und ziemlich schnell habe ich verstanden, dass es allen anderen genauso geht wie mir. Wir alle sind seit Jahrhunderten und Jahrtausenden durch ein System sozialisiert worden, das hierarchisch und dominatorisch organisiert ist. Wir setzen uns durch oder geben nach. Wir fühlen uns überlegen oder ordnen uns unter. Wir sagen, wo es lang geht, notfalls mit Waffengewalt, oder wir ergeben uns. Dazwischen scheint es nichts zu geben. Diese Erfahrungen eines dominatorisch organisierten Systems prägen zutiefst unser Weltbild und jede unserer Beziehungen.

Und auch wenn wir vom Kopf her längst wissen, dass wir auf diese Weise als Menschheit nicht mehr lange existieren werden, so gelingt es uns nicht - und hier trifft der Spruch aus meiner Kindheit jetzt zu - es gelingt uns nicht mal in unserem direkten Umfeld, in unseren alltäglichen Begegnungen mit Partnern und Kindern, mit Menschen in unserer Nachbarschaft und am Arbeitsplatz, mit Verkäufern, Autofahrern usw. Beziehungen zu kreieren, in denen wir aufrichtig miteinander sind, auf Augenhöhe kommunizieren und unsere Konflikte in partnerschaftlicher Verbundenheit und gegenseitigem Respekt kreativ lösen.

Die hilfreichste Antwort auf die Frage "Wie geht Frieden?" habe ich in der Gewaltfreien Kommunikation gefunden. Richtig verstanden sind die 4 Schritte von Marshall Rosenberg ein direkter Weg in den eigenen inneren Frieden, in die eigene innere Freiheit und in die partnerschaftliche Verbundenheit mit anderen. Ein Weg, um das hierarchische Denken in unseren eigenen Köpfen aufzulösen.

Wie die Gewaltfreie Kommunikation entscheidend zum notwendigen Bewusstseinswandel beitragen kann, worauf es aus meiner Sicht ankommt und wo die Stolperstellen sind, könnt ihr hier nachlesen:

Gewaltfreie Kommunikation

Und hier erleben:

Seminare zur Gewaltfreien Kommunikation

Die Übungsgruppen für die Gewaltfreie Kommunikation und auch für The Work finden jetzt jeweils im Wechsel dienstags oder donnerstags statt. Die aktuellen Termine findet ihr immer auf meiner Webseite:

Aktuelle Termine

Zum Abschluss wieder eine Inspiration, die ich mit euch teilen möchte. Diesmal ist es ein Buch, das mir richtig Mut gemacht hat:

Kelch & Schwert -
Unsere Geschichte, unsere Zukunft

Weibliches & Männliches Prinzip in der Geschichte

Riane Eisler hat einen faszinierenden und hervorragend recherchierten Bericht geschrieben über 12.000 Jahre Entwicklungsgeschichte menschlicher Gesellschaften und der Beziehung zwischen Frau und Mann.

Besonders beeindruckt hat mich die Tatsache, dass es bereits in der Jungsteinzeit, als Menschen begannen sesshaft zu werden und Ackerbau zu betreiben, Gesellschaften gab, die partnerschaftlich organisiert waren:

Frauen und Männer waren gleichgestellt und lebten in gegenseitiger Achtung voreinander. Die Menschen setzten Macht mit Verantwortung gleich und nicht mit Herrschaft. Technische Erfindungen dienten dem Leben und nicht kriegerischen Zwecken. Es wurde eine weibliche Gottheit als allesspendene Mutter verehrt.

Menschliche Qualitäten wie z.B. Fürsorge, Mitgefühl, Weisheit, Kreativität, die traditionell eher Frauen zugeordnet werden, und Tugenden wie Klarheit, Wahrhaftigkeit, Fokussiertheit und mutiges, beherztes Handeln, die traditionell eher Männern zugeordnet werden, hatten bei Männern und Frauen einen hohen Stellenwert.

Es war spannend zu lesen, wie sich die partnerschaftlich organisierte Gesellschaftsform im Laufe der Geschichte immer wieder aufs Neue entwickelt hat. Wie eine Pflanze, die einfach nicht auszurotten ist, so oft man sie auch abschneidet oder auf ihr herumtrampelt.

"Weder Gott noch die Biologie haben uns dazu bestimmt, einen Krieg nach dem anderen zu führen und uns im permanenten Kampf der Geschlechter zu zermürben" - So heißt es im Klappentext. Im Gegenteil, wir alle tragen als menschliche, bewusste Wesen die Fähigkeit zur partnerschaftlichen Kooperation in uns und wir sind als Menschheit intelligent genug, diese Fähigkeit zu kultivieren und zur Grundlage des Wandels in der Welt zu machen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch von Herzen einen erfüllten und friedvollen Dezember mit vielen neuen Ideen und Impulsen zum Wandel.

Bis bald und herzliche Grüße,
Ulla

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