Die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation

Ein Beispiel

Zu Beginn ist die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg für viele vor allem eine Unterstützung in Konflikten. Die vier Schritte begleiten uns dabei, uns über unsere eigenen Anliegen in einer Konfliktsituation bewusst zu werden. Als nächstes helfen sie dabei, uns so auszudrücken, dass unser Gegenüber uns auch hören kann.

Ein (zur Übung eher harmloses) Beispiel:

Mein Kollege ist dabei, den übrig gebliebenen Kuchen vom Seminar in den Abfalleimer zu befördern. Ich sage vorwurfsvoll zu ihm: "Spinnst Du, Du kannst doch nicht einfach den Kuchen wegwerfen. Das ist respektlos, den hat eine Teilnehmerin extra für uns gebacken."
Jetzt habe ich nicht ausgedrückt, was mich bewegt und vermutlich wird auch mein Kollege auf meine Urteile und Angriffe nicht besonders entgegenkommend reagieren.

Mit der GfK hört es sich so an:

Schritt 1: Die Beobachtung

Ich benenne, was ich sehe, was ich höre, was jemand anderes gemacht hat, ohne es zu beurteilen oder zu interpretieren:
Wenn ich sehe, dass Du den übrig gebliebenen Kuchen wegwerfen möchtest ...

Schritt 2: Das Gefühl

Ich beschreibe das Gefühl, das in mir entsteht, ohne den anderen für mein Gefühl verantwortlich zu machen:
... dann bin ich irritiert, ...

Schritt 3: Das Bedürfnis

Das Gefühl weist mich auf ein im Moment unerfülltes Bedürfnis hin. Ich mache es mir bewusst und bringe es zum Ausdruck:
... weil mir die Wertschätzung von Nahrungsmitteln wichtig ist ...

Schritt 4: Die Bitte

Als Abschluss äußere ich eine Bitte, die ich an den anderen oder auch mich selbst richte. Dabei ist wichtig, dass es keine Forderung ist. Der andere kann frei entscheiden, ob er meiner Bitte nachkommt oder nicht:
... und ich möchte gerne eine andere Lösung finden, was wir mit dem Kuchen machen.

Jetzt kann mein Kollege verstehen, worum es mir geht. Und er hat die Möglichkeit von seiner Seite mitzuteilen, warum er den Kuchen wegwerfen möchte. Ich erfahre, dass er nicht mehr wie früher den ganzen "Süßkram" zu Hause stehen haben möchte. Und er dachte, dass es mir da genauso geht. Normalerweise bittet er die Teilnehmer, sich Übriggebliebenes mitzunehmen, aber das hat er heute leider vergessen....

Bei der Gewaltfreien Kommunikation geht es langfristig nicht darum, sich holprig in den 4 Schritten auszudrücken. Entscheidend ist vielmehr die innere Haltung, die hinter den Schritten steht: Sich selbst und anderen auf Augenhöhe und ohne Vorurteile im Hier und Jetzt begegnen, sich klar und aufrichtig mitteilen und anderen neugierig und aufmerksam zuhören.

Diese natürliche, innere Haltung in uns wiederzuentdecken und in der Welt lebendig werden zu lassen ist das wesentliche Element in meinen Seminaren für Gewaltfreie Kommunikation.

Einführungsseminar Gewaltfreie Kommunikation
Übungsgruppe Gewaltfreie Kommunikation