Dem Herz eine Stimme geben

Newsletter vom 17. Juli 2016

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Ein herzliches Hallo an Alle,

der Slogan von Byron Katie "Lieben, was ist" und der von Marshall Rosenberg geprägte Begriff "Gewaltfrei Kommunizieren" ist für viele Menschen missverständlich. Auch meine eigenen Lebenserfahrungen früherer Jahre sind davon geprägt und so möchte ich mit diesem Newsletter für Klarheit sorgen:

Ziel der Reise zu uns Selbst ist eine ganzheitliche, egolose Perspektive. Aus dieser Perspektive heraus lieben wir die Realität und kommunizieren gewaltfrei. Es ist eine natürliche Fähigkeit unseres Wesens, unser wahres Zuhause.

Solange wir noch auf der Suche sind, verwechseln wir "Lieben, was ist" und "Gewaltfrei Kommunizieren" leicht mit unseren durch Angst erlernten Konditionierungen oder einer Pseudoharmonie:

Im Namen von Liebe oder Gewaltfreiheit ...

  • sagen wir ja, wenn wir nein meinen und nein, wenn wir ja meinen.
  • verbergen wir unsere wahren Empfindungen und zeigen uns souverän, wenn wir unsicher sind, friedlich, wenn wir Wut empfinden oder nehmen uns zurück, wenn wir uns klar und kraftvoll oder springlebendig fühlen.
  • vermeiden wir unsere Gefühle und zeigen uns desinteressiert, machen Witze oder lenken ab, wenn wir Angst und Schmerz empfinden und entziehen uns so inneren und äußeren Konflikten.
  • finden wir uns mit Verhaltensweisen ab, die wir an uns selbst oder anderen nicht mögen und reden uns unangenehme Lebensumstände schön, anstatt der Wahrheit ins Gesicht zu sehen und mutig und integer zu handeln.

Wie geht das also "Lieben, was ist" und "Gewaltfrei Kommunizieren"?

Dafür braucht es nach meiner Erfahrung Aufmerksamkeit für folgende 3 Bereiche:

1) Sich seiner Selbst bewusst werden: Um zu lieben, was ist, muss ich erstmal wahrnehmen, was ist: Was fühle und erlebe ich jetzt, in diesem Moment? Bevor der innere Zensor eingreift? Bevor eine innere Instanz mein Erleben manipuliert, bewertet, in Frage stellt oder mich von mir selbst ablenkt? Ich bleibe also bei mir, gehe gewaltfrei mit meinem eigenen Erleben um und lerne, alles so wahrzunehmen und dasein zu lassen, so zu lieben, wie es sich zeigt. Das ist der schwierigste Teil der Reise: Die Begegnung mit sich selbst und der eigenen inneren Wahrheit erfordert eine gehörige Portion Mut, Achtsamkeit und Entschlossenheit.

2) Sich aufrichtig mitteilen: In gutem Kontakt mit mir selbst äußere ich das, was ich erlebe, offen und aufrichtig - nicht nur mir selbst gegenüber sondern auch den Menschen gegenüber, mit denen ich gerade zusammen bin oder die es betrifft. "Gewaltfrei Kommunizieren" bedeutet also in diesem Zusammenhang v.a., dass ich mein Erleben auch wirklich kommuniziere. Dass ich meine Wahrheit ausspreche und meine Gefühle zeige. Auch das erfordert zunächst Mut: Ich zeige mich verletzlich.

3) Einfühlsam zuhören: Um nun auch die Verbindung zu meinem Gegenüber lebendig werden zu lassen, ermögliche ich dem Anderen durch offenes, neugieriges und urteilsfreies Zuhören ebenfalls über das zu sprechen, was er erlebt: Über seine Gedanken und Gefühle, seinen Ärger, seine Herzenswünsche, seine Hilflosigkeit, seine Ideen, seine Ängste, seine Pläne, seine Erfahrungen .... Über das, was er beitragen möchte und wozu er nein sagen möchte. Ich bin aufrichtig interessiert daran, etwas über sein Erleben und seine Wahrheit zu erfahren, ohne mich einzumischen.

Zurück zu 1) Sich seiner Selbst bewusst werden: Der Kreis schließt sich, wenn ich als nächstes wieder aufmerksam wahrnehme, was jetzt in mir lebendig ist und es aufrichtig äußere.

Wenn wir diese 3 Bereiche berücksichtigen, gelingt die Verständigung und der offene Raum wird wieder sichtbar, in dem wir alle gleichzeitig präsent sind: Wir fühlen uns verbunden und frei, trauen uns ehrlich zu sein, können Konflikte austragen, kreativ sein, uns weiterentwickeln, neue Ideen finden, Probleme lösen und kluge Entscheidungen treffen, die Kraft der kollektiven Intelligenz nutzen. Und wir können um das bitten, was wir gerne hätten, aufrichtig nein sagen und trotzdem in Verbindung bleiben, lieben ohne Angst zu haben, unsere Herzenswünsche leben, Spaß haben.

Somit liegt es also an jedem einzelnen von uns, diesen Raum in uns und zwischen uns zu öffnen und offen zu halten. Und wir sind nicht alleine: Die 4 Schritte der GfK unterstützen uns dabei, mit unserem wirklichen tiefen Erleben in Kontakt zu kommen und dies auch aufrichtig zu äußern. Die innere Arbeit mit The Work hilft uns, die falschen Urteile und Befürchtungen des inneren Kritikers oder Antreibers zu bemerken und in Frage zu stellen. Und sie lässt uns erkennen, dass uns niemand mehr im Außen davon abhält unserem Herzen und unserer Wahrheit zu folgen: Es liegt in unserer eigenen Macht und Verantwortung, das zu tun.

Wenn wir mutig zu dieser inneren Reise aufbrechen und die (oft schmerzhafte) Metamorphose von der Ego-Persönlichkeit in unser wahres Selbst durchleben, entdecken wir die Quelle unserer ursprünglichen Lebendigkeit, Kreativität und Intelligenz wieder, die Quelle der bedingungslosen Liebe in uns. Wir gestalten unseren Alltag in immer mehr Bereichen aus einem offenen Herzen heraus. Wir genießen uns selbst, die anderen und das Leben, wie auch immer es sich gerade zeigt. Wir kommen in Harmonie mit dem, was in uns und um uns herum geschieht. Wir lernen dem Leben und dem, was es uns jeden Augenblick präsentiert, zu vertrauen. Wir handeln integer. Wir inspirieren andere, ebenso ihr Herz zu öffnen. Und wir vervollkommnen immer mehr die in der heutigen Zeit so notwendigen Fähigkeiten: Wir lieben, was ist und kommunizieren gewaltfrei.

Herzliche Grüße,
Ulla

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